Dein Urlaub ist zu Ende ist, du bist vielleicht viel gereist und hast eine Menge erlebt. Doch zu Hause angekommen stellt sich eher früher als später der Alltag wieder ein. Die Sehnsucht nach Auszeit und Abenteuer bleibt jedoch. Was hilft dir, damit du in deinem gewohnten Umfeld nicht ins alte Hamsterrad einsteigst?

Um etwas von der Abenteuerlust aus dem Urlaub in den Alltag hinüber zu retten, kannst du dich auf die Suche nach Microabenteuern machen. Der britische Abenteurer Alastair Humphreys veröffentlichte 2014 das englischsprachige Buch Microadventures und gilt damit als Vater des Begriffs. In Deutschland hat vor allem Christo Förster Mikroabenteuer bekannt gemacht.

Eine Auszeit ohne großen Aufwand

Mikro-Abenteuer meinen Mini- bzw. Mikro-Auszeiten, die einfach, ohne großen Aufwand, im nahen Umkreis erlebbar sind, wie z.B. eine Nachtwanderung unternehmen, den Sonnenuntergang beobachten oder einen Ort in deiner Stadt aufsuchen, an dem du noch nie warst.

Mikroabenteuer lassen sich leicht ins Leben integrieren und holen dir das Urlaubsgefühl in deinen Alltag und lassen dich Abstand zum Alltag gewinnen.

Noch etwas kleiner als Mikroabenteuer sind Mikro-Pausen. Sie dauern oft weniger als eine Minute.

Mikropause

Für achtsame Micro-Pausen ist kein langer Kurs notwendig. Diese achtsamen Momente lassen sich in jeden vermeidlich noch so vollen Tag integrieren und helfen dir, den täglichen Stress zu reduzieren. Mikro-Meditationen gehören zu solch kleinen Pausen. Sie dauern nur einige wenige Atemzüge und zeigen doch große Wirkung.

Die Kostbarkeit des Augenblicks

Meine Lieblings-Auszeit ist eine Mikro-Wolkenmeditation. Ich habe die Idee von Pater Steindl-Rast, Benediktinerpater. Vor einiger Zeit bin ich in einem Achtsamkeitskurs auf eine Meditation von ihm gestoßen, in der er auf eine Vielzahl an Micro-Momenten aufmerksam macht, für die wir dankbar sein können. Wenn wir beispielsweise das Licht anschalten, den Wasserhahn aufdrehen, in ein Gesicht blicken, … sind das alles Gelegenheiten, uns in Dankbarkeit zu üben.

Sobald wir eine Portion Bewusstheit in den jeweiligen Moment bringen, verändert sich etwas. Die Kostbarkeit des Augenblicks wird offensichtlich.

Wolkenmeditation

Wolkenmeditation

Eine wunderbare Mikro-Pause eröffnet sich für mich, wenn ich in den Himmel schaue und die sich verändernden Wolken wahrnehme.

Das ist inzwischen zu einem festen Ritual für mich geworden. Beim Radfahren, Autofahren, Spazieren gehen, aus dem Fenster blicken, nehme ich mir einen Moment der Achtsamkeit. Ich werde mir der Einzigartigkeit dieses einen Augenblicks bewusst: Genau so sehe ich die Wolke nur ein einziges Mal in meinem Leben.

Der Blick in die Wolken erhebt, befreit, löst mich für einen winzigen Moment heraus aus dem scheinbar immer gleichen Alltag.

Vielleicht möchtest du die Wolkenmeditation gleich selbst ausprobieren?

   Wolkenmeditaion

   Richte deinen Blick in den Himmel

   Sieh dir eine Wolke an.

   Nimm ihre Form, Kontur, Licht und Schatten wahr.

   Atme bewusst ein und aus.

   So wie sich diese Wolke dir jetzt zeigt, wird sie nie wieder zu sehen sein.

   Schon im nächsten Moment wird sie sich verändert haben.

   Nimm das Wolkenbild in dich auf und mit ihm die Einzigartigkeit des Augenblicks.

   Mit einem tiefen Einatemzug und einem langen Ausatemzug beende die Mikro-Meditation.

Ganz nebenbei enspannst du durch das „in die Ferne blicken“ die Augenmuskulatur, speziell den Zeliarmuskel. So trägst du auch gleich noch zum Wohlbefinden deiner Augen bei.

   Was dir diese achtsame Mikro-Pause schenkt:

   Bewusstheit, Neuausrichtung, Verbindung mit dem Wesentlichen

5 weitere Anregungen für achtsame Micro-Breaks

  1. Ein Stück Weg rückwärts gehen
  2. Einen Bissen ganz langsam essen, bewusst schmecken
  3. Einatmen, ausatmen, ein Lächeln entstehen lassen
  4. Ein Gesicht ziehen, als würdest du in eine Zitrone beißen, danach sanft mit beiden Händen über dein Gesicht streichen
  5.  ausgiebiges Seufzen

In der Dankbarkeitsmeditation von Pater Steindl-Rast, findest du weitere Anregungen für Micro Breaks.

Bruder David Steindl-Rast

Pater Steindl-Rast,96, ist gebürtiger Wiener und lebt in den USA. Der Benidiktinermönch gilt als spiritueller Lehrer und Brückenbauer zwischen den Religionen. Er hat die Organisation „Dankbar leben“  bzw. das amerikanische Pendant Gratefulness.Org gegründet.

Schon gewusst?

Für Wolkenbegeisterte und Himmelsliebhaber: Die Cloud Appreciation Society ist eine Gesellschaft, die im Januar 2005 von Gavin Pretor-Pinney, einem Wolkenfan aus Großbritannien, gegründet wurde. Die Gesellschaft möchte das Verständnis und die Wertschätzung von Wolken fördern und hat ab März 2020 über 50.000 Mitglieder aus 120 Ländern.

Auf einer Seite der Cloud Appreciation Society findet sich der Song „Cloudspotting“ von Sylvia Lee, Sängerin aus Hamburg, in dem sie die Schönheit und Flüchtigkeit der Wolken besingt.

Wolkenpoesie – ein Wolkengedicht von Christian Morgenstern

An die Wolken 

Und immer wieder,
wenn ich mich müde gesehen
an der Menschen Gesichtern,
so vielen Spiegeln
unendlicher Torheit,
hob ich das Aug
über die Häuser und Bäume
empor zu euch,
ihr ewigen Gedanken des Himmels.

Und eure Größe und Freiheit
erlöste mich immer wieder,
und ich dachte mit euch
über Länder und Meere hinweg
und hing mit euch
überm Abgrund der Unendlichkeit
und zerging zuletzt
wie Dunst,
wenn ich ohn Maßen
den Samen der Sterne
fliegen sah
über die Äcker
der unergründlichen Tiefen.

Christian Morgenstern
(1871-1914)

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